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Familienorientierte Pflege

Die Zunahme chronischer Krankheiten, die vermehrte Verlagerung von der stationären zur ambulanten Gesundheitsversorgung sowie die Verkürzung der Spitalaufenthaltsdauer kann zu instabilen Gesundheitszuständen von Patientinnen und Patienten zu Hause führen. Der Versorgungsauftrag bzw. Pflegebedarf und die medizintechnische Behandlung zu Hause nimmt dadurch tendenziell zu.

Die Erkrankung eines oder mehrerer Familienmitglieder beeinflusst immer einerseits die Familie als Ganzes und andererseits hat die Familie signifikanten Einfluss auf den Gesundheitszustand und das Wohlbefinden jedes einzelnen Mitglieds. Gesundheits- und Krankheitsverhalten werden im Familiensystem erlernt. So wirken die Gesundheitsleistungen der Fachpersonen nachhaltiger, wenn sie das Familiensystem konsequent einbeziehen und gemeinsam nach Strategien und Lösungen suchen. Die Familie und das gesellschaftliche Verständnis von Familie wandeln sich. Die Pflegenden begegnen daher heute einer Vielzahl von möglichen Familienkonstellationen. Neben der biologischen Familie muss auch die von den Patientinnen und Patienten «wahrgenommene» Familie oder die «Wahlfamilie» von den Fachpersonen identifiziert und in die Pflege integriert werden.

Die Versorgungsaufgaben, die innerhalb der so genannten traditionellen Familien von Frauen übernommen wurden, fallen nach wie vor an oder nehmen tendenziell auf Grund der Zunahme an chronisch kranken Menschen sogar zu. Es ist jedoch oft nicht klar, von wem die Pflege zu Hause übernommen werden kann und ob pflegenden Angehörige ihre Berufsarbeit reduzieren können.

Ziel der familienorientierten Pflege ist, die Familie nicht nur als Kontext, sondern vielmehr als System zu verstehen. Es gilt entsprechende Kompetenzen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der/dem Betroffenen und seiner Familie zu entwickeln. Wird die Handlungsfähigkeit und Selbsthilfefähigkeit der Familie als Ganzes unterstützt, fördert dies die Gesundheit des Patienten selbst und die Gesundheit aller Familienmitglieder. Hier liegt ein wichtiger Ansatzpunkt zur Unterstützung der pflegenden Angehörigen, die selbst ein markant erhöhtes Krankheitsrisiko aufweisen.

Es werden zudem Rechtsfragen von Patient/-innen und deren Angehörigen in den Blick genommen.



Inhalt

Lernergebnisse Handlungskompetenzen

Die Studierenden sind in der Lage

  • sich mit der systemischen Grundhaltung der familienorientierten Pflege auseinander zu setzen und ihre eigene Pflegepraxis entsprechend zu entwickeln
  • ein Familienassessment zu erstellen unter Berücksichtigung des populationsspezifischen Kontextes, wie zum Beispiel hohes Alter, Migrationshintergrund oder Ein-Elternfamilie. Dabei beherrschen sie die Assessmentskills (systemische Fragestellungen und Geno-/Ökogramm) und verfügen über das Wissen, das Assessment theoriegeleitet zu erklären
  • passende Unterstützungsmassnahmen für Patientinnen und Patienten und deren Familie zu entwickeln und in ihrer Pflegepraxis umzusetzen. Hierbei stützen sie sich auf Kenntnisse und Skills zu familienorientierten Interventionen ab
  • auf Grund fundierten Wissens Impulse aus pflegerischer Sicht in die interdisziplinäre Zusammenarbeit einfliessen zu lassen
  • Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen in Bezug auf deren Rechte zu beraten.
Modulinhalte
  • Familienorientierte Pflege
  • Familien heute (soziologische und demografische Faktoren)
  • Familien in verschiedenen Gesellschaftsysteme im Vergleich
  • Familien im Migrationskontext mit den unterschiedlichen Phasen der Migration und Integration
  • Familien mit von chronischen Gesundheitsproblemen betroffenen Mitgliedern
  • Überblick über die verschiedenen Ansätze in der familienorientierten Pflege
  • Familienorientierte Pflege am Beispiel des Modells «Calgary Familien Assessment und Interventionsmodell»
  • Beratungskonzepte für Familien
  • Konzept der transkulturellen Pflege
  • Training der Kommunikationsskills mit Familien 
  • Methoden zur Reflexion der Berufspraxis
  • Patientenrecht, die Rechte der Heimbewohner/-innen und der chronisch kranken Menschen
  • Patientenverfügung, Transplantationsrecht, Sterbehilfe
Modulreihenfolge

Modulblock 3
Die Inhalte des Moduls 3.1 sind verbunden mit den Themen der Module 3.2 Qualitätsentwicklung und 3.3 Gesundheitsversorgung.

Lehr- und Lernmethoden

Vorlesungen, angeleitete Übungen, angeleitetes Selbststudium

Leistungsnachweis Modulabschluss

schriftliche Prüfung zu einem Familienassessment und daraus abgeleiteten Interventionen

Literatur

Wright, L.M., und Leahey, M. (2005). Nurses and Families: A Guide to
    Family Assessment and Intervention. Philadelphia: F. A. Davis.
Preusse, B. et al. (2006) Lernpaket zur Einführung neuer Mitarbeiterinnen
     in die familienzentrierte Pflege. Lindenhofspital Bern 
    (interne Publikation).

Unterrichtssprache

Deutsch

Überblick

Voraussetzungen
  • Grundstudium Bachelor of Science in Nursing oder Höhere Fachschule Pflege
  • vertiefte Mathematik-, Englisch- und Deutschkenntnisse (Niveau Berufsmaturität)
Lernzeit und ECTS

150 Stunden, 5 ECTS-Punkte
Richtwerte:
Familienorientierte Pflege: Kontaktstudium (inkl. Kommunikation und Fallanalyse) 31 h, Selbststudium 69 h, Selbststudium Prüfungsvorbereitung 20 h
Recht: Kontaktstudium 6 h, Selbststudium 24 h

Modultyp

Pflichtmodul im BScN-Aufbaustudium

Modulcode

BSN_3.1

Kosten

Modulkosten (Einzelmodul): CHF 2'200.-
Modulkosten (Studiengang): CHF 1'800.-

Anmeldung und Information

Modulverantwortung

Ursina Baumgartner
Tel.: +41 43 222 63 10
ursina.baumgartner@kalaidos-fh.ch

Kontakt

Barbara Widmer
Tel.: +41 43 222 63 11
barbara.widmer@kalaidos-fh.ch

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